Flexiblere Arbeitsmodelle

Aus dem Landkreis Erding - wie auch aus den anderen Landkreisen im Münchner Umland - pendeln täglich tausende Menschen in die Hauptstadt. Viele davon seit Jahren - und alle, mit denen ich gesprochen habe, bestätigen mir meine eigene Beobachtung: die Züge sind im Lauf der Zeit voller geworden, und die Autobahnen und Staatsstraßen auch.

Nun arbeiten aber viele davon in Berufen, die sich zumindest an manchen Tagen auch ortsunabhängig ausüben lassen: Entwicklungsingenieure, Programmierer, Anwälte, Steuerberater, Designer und viele andere Berufe brauchen nicht viel mehr zum Arbeiten als einen Computer mit Zugriff auf ihre Unterlagen, der richtigen Software, eine ordentliche Internetverbindung und ein Telefon. Jeder Tag, an dem diese Menschen von zuhause aus arbeiten können, schenkt ihnen an die 2 Stunden Freizeit (die sie sonst auf der Straße, am Bahnhof oder im Zug verbringen würden), entlastet die Infrastruktur, spart Geld und bietet mehr Lebensqualität. Und - in größerem Umfang wahrgenommen - entlastet sie auch den Arbeitgeber, weil weniger Büroflächen gemietet werden müssen. Obendrein werden dadurch die strukturschwachen Regionen wieder gestärkt, weil mehr Menschen dort arbeiten und wieder bei lokalen Firmen einkaufen.

Ich bin überzeugt davon, dass sich über die nächsten Jahre und Jahrzehnte immer mehr Firmen zunehmend solchen Arbeitsmodellen öffnen werden. Der Staat muss handeln, um nicht nur die Grundlagen für solche Regelungen zu schaffen, sondern auch Anreize für diese Flexibilisierung zu bieten. Dabei darf der Schutz der Arbeitnehmer aber nicht unterlaufen werden - nur weil ein Arbeitnehmer in Zukunft von zuhause aus arbeiten kann, darf deswegen z.B. nicht erwartet werden, dass er 16 Stunden pro Arbeitstag erreichbar ist.

Klar ist auch: Nicht in jedem Job ist das möglich. Ein Autositz kann nur in ein Auto eingebaut werden, wenn der Mensch dort ist, wo Auto und Sitz sind - aber es gibt viele Berufsgruppen, bei denen der Ort der Arbeitsausübung keine Rolle spielt. Natürlich gibt es auch Menschen, die es schätzen, in einem Büro mit anderen Kollegen zu arbeiten - ihnen soll diese Möglichkeit weiter gegeben werden. Es geht mir um Flexibilisierung - die Wahl, es anders machen zu können, aber nicht um Zwang.